Interview mit Robert Hödicke
Danke, dass Du Dir Zeit nimmst. Was Wonderlamp Djinni ist, das konnte ich im Web schon nachlesen. Aber bitte sag kurz mit Deinen Worten, um was es ging.
Gern. Das Projekt war schon sehr ambitioniert. Es ging darum, eine Software zu entwickeln, mit der man schneller, aber auch ganz anders Animationsfilme produziert - mehr so, wie Live-Actionfilme produziert werden. Dass die Benutzer in der Lage sind, das Verhalten ihrer Charaktere, ich sage mal, mit vergleichsweise geringem Aufwand zu programmieren.
Wenn du heute so etwas erzählst, denken die Leute sofort an generative KI. Damit kannst du ja auch Filme drehen. Wolltet Ihr etwas Vergleichbares?
Auf einem ganz abstrakten Level könnte man sagen, wir hatten dasselbe Ziel. Wir haben aber einen ganz anderen technischen Ansatz verfolgt. Bei uns ging es darum, ein Werkzeug zu entwickeln, das die ganzen kreativen Entscheidungen tatsächlich beim Regisseur belässt. Unsere Ambition war, die Entscheidungsspielräume der Akteure zu weiten, weil die konventionelle Trickfilmproduktion aufgrund ihres speziellen Workflows sehr starr ist.
Und eine Komponente dieses Systems war eben Inverse Kinematics: Wenn der Fuß Kontakt mit dem Boden hat, dann darf er nicht rutschen, und dann muss ich das ganze Skelett eben entsprechend bewegen. Oder: Der Charakter tritt durch diese Tür und dann geht er zum Fenster an der anderen Seite des Raums. Da kann man mit Collision Detection überlegen, er kann links vom Tisch oder rechts vom Tisch vorbeigehen. Das System soll dann eine Variante vorschlagen, und der Regisseur kann sagen nee, ich will aber, dass er nicht links, sondern rechts vorbeigeht.
Das ist ein mechanisches Problem, wo man einen Hintergrund in Physik sehr gut gebrauchen kann. Und den hatten wir nicht. Ja, also es gibt natürlich Literatur, wie man das macht. Aber wenn man sowas schnell implementieren will …
... dann braucht man einen Physiker.
Ja, und nicht nur einen Physiker, sondern das zweite Problem war: Wir hatten das System in C++ implementiert. Man kann mit C++ auch fantastische Sachen machen. Aber es ist halt eine Sprache, die sehr komplex ist, wo man einige Jahre braucht, um sie wirklich zu beherrschen. Und die Ambrosys hatte da jemanden, der ein studierter Physiker war, der aber auch ein extrem profilierter C++-Entwickler war, der hier die C++-Konferenz mitorganisiert hat. Ein ausgewiesener Spezialist. Und deswegen ging das dann eben auch sehr zügig. Wir brauchten da nicht großartig zu reden über die Details, sondern der hat sich, glaube ich, in zwei Tagen in die Thematik eingelesen und dann konkrete Ansagen gemacht, was für Aufwände das verursachen würde und dann einfach geliefert innerhalb von drei Wochen.
Jetzt mal in Anlehnung an diese berüchtigte Job-Interview-Frage: Sag mal was Schlechtes über Ambrosys.
Da fällt mir leider nichts ein.
Hast Du nicht noch ein paar schöne Anekdoten?
Ja, das sind aber keine Anekdoten unbedingt über die Ambrosys. Das größte Problem war, dass ich unterschätzt habe, wie schwer es ist, qualifiziertes Personal zu finden. Als CTO war ich auf der einen Seite Architekt dieses Systems, auf der anderen Seite vertrete ich das Team nach außen, gegenüber dem Rest der Firma oder dem Kunden oder den Eigentümern und Investoren. Also fühlte ich mich einigermaßen auseinandergezogen zwischen diesen Aufgaben. Irgendwo habe ich das mal gehört "ich könnte ein so viel besserer Manager sein, wenn ich ein besseres Team hätte”. Das ist natürlich billig zu sagen …
Du brauchst ein Team wie Brasilien, als sie 94 die WM gewonnen haben mit einer Mannschaft, von der man sagte, sie hätte es sogar mit Erich Ribbeck geschafft.
Ja. In etwa. Und der Entwickler von Ambrosys war sozusagen der Mitarbeiter, den ich gerne gehabt hätte, wo also diese Probleme nicht aufgekommen sind und wo man einfach ganz zügig sich irgendwie verabreden konnte über das, was gemacht werden muss und bis wann, und dann ist es auch einfach passiert.
Nun hast Du ja schon einiges im Business gesehen. Wem würdest Du Ambrosys denn empfehlen?
Ambrosys hat sehr spezielle, sehr sehr relevante Qualifikationen. Markus ist ja Professor für statistische Physik, und da entwickeln sich gerade heute viele Dinge, die sich eigentlich nur in statistischen Begriffen fassen lassen. Es gibt so viel mehr Dinge, die eine physikalische Komponente haben, wo ich jetzt denken würde, dass es Ambrosys leicht fällt, Software zu entwickeln.
Jetzt bist Du schon wieder bei der Physik.
OK: Habe ich erwähnt, dass Markus besser Saxophon spielt als ich? Nein, im Ernst, lass uns was Anderes hervorheben: Es ist dieses autonome, eigenverantwortliche Arbeiten bei Ambrosys. Also dass man nicht irgendeine Software macht, sondern dass man begreift, was diese Komponente hinterher im Kontext leisten muss. Und aus dieser Einsicht heraus dann diese zahllosen Entscheidungen, die man als Softwareentwickler jeden Tag trifft, auch wirklich sinnvoll trifft.
Dass Du als Kunde also nicht micro-managen musst.
Genau. Ich habe durchaus meine grundsätzliche Skepsis gegenüber Subkontraktoren. Aber bei Ambrosys war der Anspruch da, etwas zu liefern, was den Kunden auch zufriedenstellt und nicht nur, was formal das Pflichtenheft erfüllt.
Danke Dir, Robert. So vielseitige und interessante Menschen lernt man nicht jeden Tag kennen. Viel Erfolg bei Deinen aktuellen Projekten.
Ebenso! Komm gut zurück nach Potsdam.